Das Leben der Anderen

Rominka | 19.04.12 12:01 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Frankreich hat die Wahl

In Deutschland mag mitunter der Eindruck entstehen, es träten nur zwei Kandidaten zu diesen Präsidentschaftswahlen an, Nicolas Sarkozy gegen François Hollande. Obwohl...bestimmt hat der aufmerksame Leser/Zuschauer/Hörer auch die Namen Marine Le Pen oder Jean-Luc Méléanchon schon einmal gehört. Hier in Frankreich allerdings macht es besonders Spaß zu beobachten, was die übrigen Kandidaten, die so genannten 'Kleinen' so treiben. Das ist zum Teil amüsant, zum Teil verursacht es ungläubiges Kopfschütteln...

Noch mal zum Mitschreiben: es sind nicht zwei, nicht vier, nein, es sind zehn Kandidaten, die ins Rennen um den Elysée-Palast gehen und weil die Franzosen in der Vergangenheit bereits die Meinungsforscher Lügen gestraft haben, bleiben wir zurückhaltend und legen uns auf nichts, aber rein gar nichts fest.

Unter den zehn zugelassenen Kandidaten sind, auch das sollte mal gesagt werde, drei Frauen. Wie alle potentiellen zukünftigen Präsidenten mussten auch sie 500 Unterschriften von gewählten Politikern (Bürgermeister, Regionalräte) beim Verfassungsrat einreichen. Offziell fiel ja der Startschuss für den Wahlkampf erst am 9. April, doch befinden wir uns schon gefühlte 5 Jahre, also seit Sarkozys Amtsantritt im Wahlkampf. Seit dem offiziellen Anpfiff aber verpflichtet sich der Hohe Rat für audiovisuelle Medien (CSA) allen Wahlkämpfern den gleichen Anteil an medialer Präsenz zu garantieren.

So haben also auch die 'Kleinen' Gelgenheit, ihre Ideen unters Volk zu bringen und zögern nicht, das auch mit Pauken und Trompeten zu tun. Vorn an der Kandidat der 'Neuen antikapitalistischen Partei', Philippe Poutou. Er erinnert ein bisschen an Christian Ströbele, nicht nur optisch, auch wegen seiner Querdenkerei. Er fordert die Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 32 Stunden, denn sein Befund lautet 'Arbeit zerstört die Gesundheit'. Bisweilen gibt er auch grenzwertige Statements zum Besten: so vermutet er hinter den Attentaten von Toulouse eine politische Absicht. Ja, der Mann liebt Verschwörungstheorien. Mediale Aufmerksamkeit ist ihm damit sicher, ebenso wie der Trotzkistin und Kandidatin der Lutte Ouvrière, Nathalie Arthaud. Sie möchte verhindern, dass die Wahlen 2012 in den Geschichtsbüchern verschwinden und ruft daher vorsichtshalber jetzt schon zu einem Generalstreik im September auf. Noch weiter, nicht zeitlich aber räumlich, geht der mysteriöse "Gaullist der Linken", Jacques Cheminade, der den Mars für die Menschheit zugänglich und nutzbar machen möchte aber ansonsten mit seinen politischen Positionen im Vagen bleibt. Er liegt in den Umfragen bei... Achtung! Null Prozent. Insofern wird er die Fans der Marsinvasion höchstwahrscheinlich enttäuschen müssen.

In der politischen Mitte dümpelt François Bayrou, einst durchaus aussichtsreicher Kandidat des MoDem (Mouvement démocratique), doch in den letzten Monaten immer mehr abgedrängt und -gehängt von den Radikalen (links und rechts). Bleibt ein letztes Zehntel Kandidat, der sich am rechten Rand zu Marine Le Pen gesellt und viele ihrer Positionen teilt: Nicolas Dupont-Aignan kündigt eine Überraschung für den kommenden Sonntag an. Die Umfragen allerdings sagen ihm 1,5% voraus. Aber wer weiß. Vielleicht möchten die Franzosen ja doch mehr über das Leben der Anderen erfahren!

Diane La Phung/ Romy Strassenburg

 



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