Ein bisschen sieht es aus wie bei den Pfadfindern. Jugendgruppen treffen sich im Wald, übernachten in Zelten und machen Übungen in Uniform. Doch die Camps, die die Kosaken für russische Jugendliche abhalten, sind eine Nummer härter. Hier lernen die Jugendlichen nicht nur militärischen Drill und Disziplin, sondern auch mit der Kalaschnikow umzugehen. Weil es auf dem Land kaum etwas für Jugendliche zu tun gibt, sind die patriotischen Wehrsportübungen, wie sie der russische Fotograf Denis Tarasov 2010 aufgenommen hat, eine feste Größe der Freizeitgestaltung. Die Kosaken holen die Jugendlichen, wie man so sagt, von der Straße. Und bereiten sie auf ein Leben als Kämpfer vor.

cms-image-000045180.jpg

Das Freizeitangebot hält sich in ländlichen Gegenden sehr in Grenzen. Auch deshalb finden Jugendcamps der Kosaken großen Anklang (Denis Tarasov)
Das Freizeitangebot hält sich in ländlichen Gegenden sehr in Grenzen. Auch deshalb finden Jugendcamps der Kosaken großen Anklang (Denis Tarasov)

Die Kosaken gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich waren sie freie Reiterverbände mit vielen geflüchteten ehemaligen Leibeigenen. Sie fanden sich zusammen, um sich gegen Überfälle von asiatischen Reiterhorden wie den Krimtataren zu wehren. Im 17. Jahrhundert errichteten die Kosaken eine Art Staat auf dem Gebiet der Ukraine, der später ins Zarenreich einging. Stück für Stück wurden Kosaken daraufhin ins russische Heer integriert. Während der russischen Revolution kämpften sie auf der Seite des Zaren, im Zweiten Weltkrieg zum Teil gegen und zum Teil für Nazi-Deutschland. In den folgenden Jahrzehnten wurden sie massenhaft verfolgt.

Heute bilden Kosaken ähnlich wie im Zarenreich eine Miliz mit Regierungsbesoldung. Im Jahr 2005 verabschiedete Wladimir Putin ein Gesetz, das die Tradition der Kosaken in der russischen Armee wieder aufleben lassen soll. An der Besetzung der Krim waren Tausende Kosaken beteiligt. Darunter auch die Hundertschaft der Wölfe, eine Brigade mit zaristischer Tradition, die anschließend in die Ostukraine gezogen ist. Ob sie dies im Auftrag des Kreml tat, gilt als umstritten.

Der Fotograf Denis Tarasov wurde 1971 in Ruslland geboren. Er begann sehr früh, zu fotografieren und wurde Mitglied der russischen Fotografengewerkschaft. Er hat viele Preise gewonnen. Seine Bilder werden in Museen und privaten Sammlungen ausgestellt. www.denistarasov.com