Sollte die Welt eine Lieblingszahl haben, dann wohl die Sieben. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls der britische Autor Alex Bellos, der in einer Online-Umfrage mehr als 30.000 Menschen danach gefragt hat. Das war zwar nicht im strengen Sinne wissenschaftlich, aber immerhin gaben 9,7 Prozent der Befragten der Sieben ihre Stimme. Sie sei eben einzigartig, sagt der Autor. Warum das so ist, erklärt er hier:

Sheldon Cooper, der liebenswürdige Nerd aus „Big Bang Theory“, ist da wie so oft ganz anderer Auffassung: „Welches ist die beste Zahl, die bekannt ist?“, fragte er einmal seine Freunde. „Aber bedenkt: Es gibt nur eine korrekte Antwort.“ Vorschläge? Es ist die 73. Grund laut Sheldon: „Die 73 ist die 21. Primzahl, ihre Spiegelzahl, die 37, ist die zwölfte, deren Spiegelzahl, die 21, ist das Produkt der Multiplikation von – haltet euch fest – sieben und drei.“ Ist die 73 damit etwa der Chuck Norris des Zahlenuniversums? „Das hätte Chuck Norris wohl gern. Binär ausgedrückt ist die 73 ein Palindrom: 1.001.001, rückwärts gelesen 1.001.001, also exakt dasselbe. Chuck Norris ergibt rückwärts einfach Sirron Kcuhc.“ Noch Fragen? (Die Szene entstammt übrigens der 73. Folge der Comedy-Serie.)

Mit solchen Gedankenspielen plagen sich die Pirahã nicht herum. Das indigene Volk aus dem Amazonasgebiet könnte nur zwischen der Eins und der Zwei wählen – mehr Zahlen nutzen diese Menschen nicht. Alles andere ist „viel“, wobei auch eins nicht gleich eins ist: Laut Forschern, die eine mathematische Studie mit den Pirahã durchführten, bezeichnet das entsprechende Wort eher eine kleine Menge von etwas. Mathematisches Denken, so die Schlussfolgerung, ist unter diesen Voraussetzungen unmöglich. Vielleicht gelten die Pirahã ja deshalb als „das glücklichste Volk der Welt“.

Seit einigen Jahren ist übrigens auch bewiesen, dass Bienen zählen können – bis vier. Die Zahl scheint in der Tierwelt eine kritische Grenze zu sein, über die die meisten Spezies nicht hinauskommen. Einige Forscher sehen darin eine Bestätigung für die Theorie eines universalen Zahlensinns, über den sowohl Menschen als auch einige Tierarten verfügen.

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Im Grunde nicht überraschend: Bienen beherrschen Summen bis vier (Foto: Nick Ansell / picture-alliance)
Im Grunde nicht überraschend: Bienen beherrschen Summen bis vier (Foto: Nick Ansell / picture-alliance)

Und dann gibt es noch eine Menge Zahlenunsinn in der Welt. Zum Beispiel: Was vielerorts die 13 ist, ist bei den Italienern die 17. Sie wird als Unglückszahl gemieden. In italienischen Gebäuden fehlt häufig die 17. Etage, in den Maschinen der Airline Alitalia die entsprechende Sitzreihe. Der französische Autohersteller Renault verkaufte seinen R17 in Italien gar als R177. Warum? Die entsprechende römische Zahl XVII ist ein Anagramm zu VIXI – „ich habe gelebt“ (bzw. „ich bin tot“) im Lateinischen. Im Internet finden sich noch weitere Herleitungen, etwa die biblische Sintflut, die „im sechshundertsten Jahre des Lebens Noahs, im zweiten Monat, am siebzehnten Tage“ eintrat.

Weit hergeholt? So ist das mit dem Aberglauben. In Asien hat das im Fall von Zahlen häufig mit Lauten zu tun: Die Vier gilt unter anderem in China, Japan und Korea als Unglückszahl, weil sie in der Aussprache den Worten für „Tod“ und „sterben“ ähnelt. Das ist in China auch bei der Sieben und der Zehn der Fall. Und umgekehrt: Weil das chinesische Wort für „acht“ so ähnlich klingt wie „Reichtum“, soll die Zahl Glück bringen.

Glück muss in der Zahlensymbolik aber gar nichts mit konkreten Zahlen zu tun haben. In Japan etwa wird es ganz allgemein mit ungeraden Zahlen in Verbindung gebracht. Wer dort Geschenke macht, sollte daher immer drei, fünf oder sieben Gegenstände überreichen. Nicht anders beim Geld: Hier sind 30.000 oder 50.000 Yen zu empfehlen. Wenn es dann doch mal eine gerade Summe ist, kann man tricksen, indem man das Geldgeschenk auf drei, fünf oder sieben Scheine aufteilt.

Und wo wir gerade bei gerade und ungerade sind: Schon mal versucht, das Geschlecht eines Babys zu erraten? Sind dabei Zahlen im Spiel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sich täuschen zu lassen. Forscher einer US-Uni haben herausgefunden, dass wir Babys auf Fotos als männlicher wahrnehmen, wenn diese im Zusammenhang mit ungeraden Zahlen auftauchen. Bei geraden Zahlen ist es umgekehrt. Diese Assoziation findet sich übrigens in vielen Kulturen.

 

Für viele, ja alle Kulturen soll auch die Sprache Timerio verständlich sein. Es handelt sich dabei um eine auf Zahlen basierende Plansprache, die in den 1920er-Jahren von einem Berliner Architekten erfunden wurde. Jedes sprachliche Konzept erhielt eine Nummer, was die Kommunikation zwischen verschiedenen Sprachen vereinfachen sollte. Zum besseren Verständnis zwei Beispiele: „1 – 80 – 17“ heißt „Ich liebe dich“, „1 – – (3) – 980²“ bedeutet „Ich werde drei Briefe schreiben“ – total einfach, oder?

Da heißt es einen kühlen Kopf bewahren. Dabei kann die 241543903 helfen. Wenn man diese Zahlenfolge in der Google-Bildersuche eingibt, erscheinen Menschen, die ihre Köpfe in Kühlschränke stecken. Was mysteriös klingt, geht auf den New Yorker Künstler David Horvitz zurück. Der nahm als Erster ein Kopf-im-Kühlschrank-Foto auf und taggte es auf Flickr mit eben dieser Zahl, der Seriennummer des Geräts kombiniert mit den Barcodes von zwei Lebensmittelpackungen darin. Seine Follower rief er dazu auf, es ihm gleichzutun. Und – zack – hatte er ein Meme erfunden.

Kein Artikel über Zahlenmystik ohne die 666. Sie geht auf die Johannes-Offenbarung in der Bibel zurück und wird dort als „Zahl des Tieres“ bezeichnet. Je nach Deutung ist damit der Antichrist gemeint, Adolf Hitler oder das Böse im Allgemeinen. In Musiktiteln verschiedener Metal-Spielarten spielt die Zahl ebenso eine Rolle wie in zahlreichen Verschwörungstheorien.

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cms-image-000045628.jpg (Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz)
(Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz)

Etwas weniger teuflisch, aber umso konspirativer geht es rund um die 23 zu. Der „Zahl der Illuminaten“ wird eine die Weltpolitik bestimmende Macht zugeschrieben. Es gibt dazu sogar einen Film: In „23 – Nichts ist so wie es scheint“ geht es um Hacker, den KGB und – natürlich – eine weltweite Verschwörung. Allerdings sei hier gesagt, dass der preisgekrönte Thriller auf wahren Begebenheiten beruht. So oder so, die 23 wird von Verschwörungstheoretikern immer und überall gesichtet, was ihre Bedeutung unterstreichen soll. Wer einen kühleren Kopf bewahrt, wird feststellen: Egal auf welche Zahl sich jemand konzentriert – er wird sie von da an immer und überall antreffen.

Lukas Wohner arbeitet neben dem Studium als freier Journalist in Berlin – wenn er nicht gerade fluter-Praktikant ist. An Zahlenmystik glaubt er nicht. Aber als ihm ein höchst seriöser Numerologie-Rechner im Internet verriet, dass seine Schicksalszahl die Sechs ist, fand er das dann doch ganz treffend.